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Das Land unter der Lupe

15.02.2013 - Bald startet in Deutschland die „Nationale Kohorte“, eine Großstudie zu den Volkskrankheiten. Mitte dieses Jahres werden 400000 Bundesbürger Post bekommen und um Teilnahme an einer Großstudie gebeten. 18 Forschungsinstitute werden über mindestens 20 Jahre an der „Nationalen Kohorte“ beteiligt sein. „Wir wollen besser verstehen lernen, wie genetische Faktoren, Umweltbedingungen, soziales Umfeld und Lebensstil dazu beitragen, dass sich Volkskrankheiten wie Diabetes, Demenz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs entwickeln“, erläutert Professor Karl-Heinz Jöckel Leiter des Instituts für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie in Essen in der „Apotheken Umschau“.

Die Teilnahme an der Studie ist natürlich freiwillig. Die Forscher hoffen, dass von den Angeschriebenen zwischen 20 und 69 Jahren mindestens die Hälfte mitmacht. Ihr Blutdruck wird gemessen, ihre Hör- und Sehfähigkeit getestet und Blut-, Urin- und Speichelproben untersucht. Danach stehen Fragen zur Ernährung und zur körperlichen Aktivität an. Die Untersuchung dauert etwa zweieinhalb Stunden und wird nach etwa fünf Jahren wiederholt. Zwischendurch und später gibt es schriftliche Nachbeobachtungen per Fragebogen. 40000 Teilnehmer werden zusätzlich in einem  Magnetresonanztomografen untersucht.

Im Gegensatz zu klinischen Studien, die zumeist bereits erkrankte Patienten erfassen, beobachtet die Kohortenstudie die Entwicklung in der Regel gesunder Menschen über längere Zeit in ihrem natürlichen Lebensumfeld. „Mit diesen Daten können wir nachweisen, was zuerst da war: ein bestimmter Risikofaktor oder die Erkrankung“, sagt Professor Rudolf Kaaks, der am Deutschen Krebsforschungszentrum die Abteilung Krebsepidemiologie leitet. „Ursache und Wirkung können nicht vertauscht werden.“

Kritik übt Birgitt Bender, Gesundheitsexpertin der Grünen im Bundestag, an der Studie. Sie sei zu teuer und zu sehr biomedizinisch-naturwissenschaftlich ausgerichtet. „Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Gene und Risikofaktoren“, so die Grüne in der „Apotheken Umschau“. Von anderer Seite wird ein konsequenter Datenschutz angemahnt. „Der Zugang zu den Daten muss für alle Personen außerhalb des Wissenschaftsbetriebes verboten sein – einschließlich des Staats“, verlangt Professorin Regine Kollek, Expertin für Technologiefolgeabschätzung an der Universität Hamburg. Bei Ärzten herrscht Unsicherheit, was die Teilnehmer etwa über dabei entdeckte Risikofaktoren erfahren müssen. Professor Jöckel möchte das nur tun, „wenn es medizinisch angebracht und eine Behandlung möglich ist“. In den kommenden Monaten setzt er erst einmal auf Öffentlichkeitsarbeit, um Vertrauen zu schaffen.

Quelle: Wort & Bild Verlag, Baierbrunn bei München
www.wortundbildverlag.de