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Erste in Deutschland erworbene Infektion eines Menschen mit dem Hundehautwurm

Den ersten Fall einer autochthonen (vor Ort erworbenen) Infektion mit dem Hundehautwurm Dirofilaria repens bei einem Mann aus Sachsen-Anhalt haben Wissenschaftler des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) in Zusammenarbeit mit den Städtischen Kliniken Dessau-Roßlau, der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie Halle/Dessau und dem Medizinischen Versorgungszentrum für Pathologie und Zytodiagnostik in Halle diagnostiziert1. Bereits im Juli 2013 hatte das BNITM in einer Pressemitteilung erstmals über Funde von Larven des Hundehautwurms in deutschen Stechmücken informiert2.

Ein Patient aus Sachsen-Anhalt hatte einen Hautknoten an der rechten Schläfe entwickelt. Der Knoten wurde chirurgisch entfernt. Anschließende feingewebliche Untersuchung und weiterführende molekulare Analysen ergaben, dass die Geschwulst durch ein weibliches Exemplar des Hundehautwurms hervorgerufen wurde. „Da der Patient bis auf den Besuch eines Weihnachtsmarktes im Dezember in Polen in den letzten Jahren nicht im Ausland war, hat er sich die Infektion mit aller Wahrscheinlichkeit in Deutschland zugezogen“, erklärt Prof. Egbert Tannich, Leiter der Abteilung Molekulare Parasitologie und Koordinator eines deutschlandweiten Mückenprojekts3.

Dirofilaria repens ist eine Fadenwurmart, deren Larven durch Stechmücken übertragen werden. Hauptreservoir der Larven sind Hunde, aber auch wild lebende Tiere wie Marder oder Füchse. In ihnen entwickeln sich die Larven zu geschlechtsreifen Würmern. In seltenen Fällen übertragen Stechmücken die Infektion auch auf den Menschen. Dabei können etwa vier bis acht Monate nach einem infektiösen Mückenstich wandernde Schwellungen und Knotenbildungen der Haut sowie Augenveränderungen auftreten. Infektionen mit Dirofilaria repens (kutane Dirofilariose) sind in Süd- und Osteuropa sowie in vielen Ländern Afrikas und Asiens endemisch. Die Dauer der Entwicklung infektionstüchtiger Larven in den Stechmücken ist temperaturabhängig und liegt zwischen zehn und 30 Tagen. Da Stechmücken durchschnittlich weniger als 30 Tage leben, galt Deutschland bislang aufgrund der klimatischen Bedingungen als eine wenig gefährdete Region.

Dennoch hatte das BNITM bereits im vergangenen Jahr vor Infektionen mit Dirofilaria repens gewarnt2. Neuere Klimaprojektionen hatten ergeben, dass auch in Deutschland – zumindest in den Sommermonaten Juli und August – eine Entwicklung von Larven in den Stechmücken in ausreichend kurzer Zeit gegeben ist. Darüber hinaus erschienen in den letzten Jahren wiederholt Berichte über Infektionen bei deutschen Hunden. Außerdem hatte im vergangenen Jahr die interdisziplinäre Forschungsgruppe um Tannich gezeigt, dass Stechmücken, insbesondere in Ostdeutschland, Larven von Dirofilaria repens in sich tragen.

„Der jetzt aufgetretene Fall einer ersten in Deutschland erworbenen Infektion mit dem Parasiten passt in das aktuelle Bild“, so Tannich. Denn der Patient sei passionierter Angler und damit in der Vergangenheit häufig Mückenstichen ausgesetzt gewesen. Gleichzeitig hatten die Mitarbeiter des BNITM in Mückenfängen entlang der Elbe, nur 20 km vom Heimatort des Patienten entfernt, im vergangenen Jahr bereits Dirofilaria repens in Stechmücken nachgewiesen.

Ob es in den kommenden Jahren zu einer vermehrten Übertragung des Hundehautwurms kommen wird, hängt von der Zahl der infizierten Hunde, der Wetter- und Temperaturentwicklung sowie von der Dichte der Stechmückenpopulationen ab. Es wird in der nächsten Zeit darauf ankommen, dass Tierärzte möglichst viele infizierte Hunde identifizieren, um sie entsprechend zu behandeln und so eine weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern. Unbehandelte Hunde können den Parasiten meist unbemerkt bis zu sieben Jahre in sich tragen.

Das BNITM wird auch in diesem Jahr die Beobachtungen und Untersuchungen der Mückenpopulationen in Deutschland fortführen und die Ergebnisse wie bisher an die Gesundheitsbehörden weitergeben.

Quelle: Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Hamburg, 02.06.2014